Sankt Wendel. Zu Beginn der Saison 2025/26 startete die Victoria St. Wendel als neu gegründeter Verein in der Kreisliga A Nordsaar – und das mit einem klaren Ziel: Wir wollen etwas bewegen, wir wollen in die höheren Klassen. Es wurde auch nie ein Hehl daraus gemacht, dass Spieler, die für die Viktoria das Trikot tragen, dafür entlohnt werden – jeder in einem angemessenen Rahmen. Diesen Worten ließen sie Taten folgen – und wie. Gleich mehrere Hochkaräter wurden verpflichtet. Zum Beispiel Steffen Lehnhard, der über 80 Saarlandliga-Spiele auf dem Buckel hat und dort rund 45 Tore erzielte. In den letzten zehn Jahren kam er auf rund 250 Pflichtspieltore. Dazu kommt Patrick Ackermann, der vor nicht allzu langer Zeit noch in der Oberliga spielte. Auch Spieler wie Luca Schmidt, Benjamin Sorg oder Mielczarek gehören zum Kader – um nur einige zu nennen. Ein weiterer spannender Neuzugang ist Lukas Kölsch, der vom SV Elversberg II zur Victoria gewechselt ist. Und dann ist da noch der Königstransfer Florian Bichler, der zuvor beim Regionalligisten Steinbach Haiger gespielt hat. Das klingt wie eine Saarlandliga-Mannschaft und unterstreicht, dass die Victoria St. Wendel ihr Vorhaben ernst nimmt und die unteren Klassen schnellstmöglich verlassen will. Gleichzeitig zeigt der Verein auch abseits des Platzes Ambitionen: Zur kommenden Saison wurde zudem eine Damenmannschaft gegründet – ein weiterer Schritt, um den Verein breiter und zukunftsorientiert aufzustellen. Zuletzt hat man den bis dahin Tabellenführer SG Steinbach/Walhausen mit 7:1 geschlagen, anschließend die Spvgg. Sötern sogar mit 15:0. Deutliche Ergebnisse auf dem Weg nach oben – und das Fußball-Saarland wird zunehmend aufmerksam auf das, was dort passiert. Erschreckend sind jedoch auch die Anfeindungen, die immer mehr werden – nicht nur im Netz, sondern auch am Spielfeldrand. Der Verein selbst hat darauf nun reagiert und eine ausführliche Stellungnahme veröffentlicht:

Pressemitteilung des SV Victoria St. Wendel zu wiederholten Anfeindungen im Amateurfußball
Der SV Victoria St. Wendel sieht sich seit geraumer Zeit immer wieder verbalen Entgleisungen und unsportlichen Anfeindungen ausgesetzt, die weit über das hinausgehen, was im sportlichen Wettbewerb hinnehmbar ist. Man kann unseren Verein mögen oder nicht mögen. Man kann sportlich konkurrieren, anderer Meinung sein oder Kritik äußern – all das gehört zum Fußball dazu. Aussagen wie „Geht ihnen auf die Knochen, den Söldnern“, „Assis aus St. Wendel“, „Auch die Schiris sind bezahlt“ oder gar Aufforderungen wie „Blutgrätsche, damit sie ihr Geld auch verdient haben“ überschreiten jedoch jede Grenze des respektvollen Umgangs und haben mit Fairness, Sportsgeist und dem Gedanken des Amateurfußballs nichts mehr zu tun. Besonders bedenklich ist, dass sich nicht nur einzelne Zuschauer zu solchen Aussagen hinreißen lassen, sondern vereinzelt auch Äußerungen aus dem Umfeld gegnerischer Offizieller gefallen sind, die eines verantwortungsvollen Auftretens im Amateurbereich nicht würdig sind. Bis heute hat sich der SV Victoria St. Wendel bewusst gegen öffentliche Eskalation entschieden. Wir haben diese Vorfälle weder breit thematisiert noch dem Verband gemeldet – nicht aus Schwäche, sondern aus Überzeugung, Ruhe zu bewahren und unsere Antwort dort zu geben, wo sie hingehört: auf dem Platz, mit Leistung, Zusammenhalt und sportlichem Erfolg. Dennoch ist ein Punkt erreicht, an dem klar gesagt werden muss: Wer zu Hass, Verunglimpfung und Gewaltfantasien greift, hat den eigentlichen Gedanken des Sports längst verloren. Wir stehen für Ehrgeiz, Leidenschaft und Entwicklung – aber ebenso für Respekt. Rivalität belebt den Fußball. Verrohung zerstört ihn. Es wäre wünschenswert, wenn sich alle Beteiligten – Spieler, Offizielle und Zuschauer – wieder auf das besinnen, worum es im Amateurfußball eigentlich gehen sollte: Fairness, Respekt und sportlicher Wettbewerb auf Augenhöhe. Unsere Antwort bleibt dieselbe wie bisher: Haltung bewahren. Zusammenstehen. Und sportlich liefern. Alles andere ist schlicht beschämend. In der öffentlichen Diskussion wird immer wieder versucht, unseren Verein pauschal auf das Schlagwort „Söldnertruppe“ zu reduzieren. Diese Darstellung ist nicht nur verkürzt, sondern auch bewusst irreführend. Ja – der SV Victoria St. Wendel entlohnt vereinzelt Spieler. Das ist im heutigen Amateurfußball weder ungewöhnlich noch verwerflich, sondern legitim und im Rahmen der Regularien vollkommen vertretbar. Der entscheidende Unterschied ist: Wir stehen offen dazu. Wir verstecken nichts, wir arbeiten transparent und verzichten bewusst auf die vielerorts praktizierte Kuvert-Politik, über die gerne geschwiegen wird, solange sie im Verborgenen bleibt. Wer Ehrlichkeit im Umgang mit dieser Realität zum Vorwurf macht, misst mit zweierlei Maß. Vor allem aber reduziert diese Debatte Menschen auf einen finanziellen Aspekt und wird der Wahrheit nicht gerecht: Unser Verein besteht nicht aus „Söldnern“, sondern aus Persönlichkeiten – aus Spielern, Trainern, Ehrenamtlichen und Unterstützern, die sich mit dem Projekt identifizieren, Zeit investieren, Verantwortung übernehmen und etwas aufbauen wollen. Zusammenhalt, Entwicklung und Vereinsgeist sind keine leeren Worte, sondern gelebte Realität bei Victoria. Offenheit macht uns nicht zu einem Verein ohne Werte – im Gegenteil: Sie unterscheidet uns von jenen, die gerne moralisch urteilen, aber im Hintergrund dieselben Wege gehen. Wir beklagen uns nicht – und wir jammern auch nicht. Wir wünschen uns lediglich das, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: Vernunft, Respekt und einen anständigen Umgang miteinander. Hart in der Sache, fair im Ton – so sollte Amateurfußball gelebt werden. Wo hört Kritik auf – und wo fangen Anfeindungen an?
















