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Was macht eigentlich…

Marcel Ziemer

Kai SandBy Kai Sand18. August 2026Keine Kommentare8 Mins Read
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Interview mit Marcel Ziemer

Marcel Johann Ziemer (3. August 1985 in Worms) war über viele Jahre ein Stürmer, der sich über Instinkt, Präsenz und Abschlussstärke definierte. Der 1,83 Meter große Angreifer wurde bei Kickers Worms und dem TuS Neuhausen ausgebildet, wo er auch im Herrenbereich erste Akzente setzte, bevor er 2004 zum 1. FC Kaiserslautern wechselte. Über die zweite Mannschaft (83 Spiele, 21 Tore) empfahl er sich für höhere Aufgaben und kam bereits in der Saison 2005/06 zu zwei Bundesligaeinsätzen – mit zwei Treffern. 2006 erhielt er einen Profivertrag. Insgesamt absolvierte er 49 Pflichtspiele für die FCK-Profis und erzielte zehn Tore.

Über den SV Wehen Wiesbaden (83 Spiele, 16 Tore) führte ihn sein Weg 2011 ins Saarland zum 1. FC Saarbrücken – eine Phase, die seine Karriere nachhaltig prägte. In drei Drittligaspielzeiten bestritt Ziemer 82 Partien für den FCS und erzielte starke 35 Tore. In dieser Zeit verkörperte er das, was man einen echten Vollblutstürmer nennt: ausgeprägter Torriecher, gutes Raumgefühl, physische Präsenz im Strafraum und das berühmte Gespür für den richtigen Moment. Ziemer stand oft genau dort, wo ein Stürmer stehen muss. Für den 1. FC Saarbrücken war er damit ein klarer Gewinn – auf dem Platz als verlässlicher Torjäger, neben dem Platz als Identifikationsfigur. Zwei Saarlandpokalsiege (2011/12 und 2012/13) unterstreichen die erfolgreiche Zeit im Ludwigspark zusätzlich.

Von 2014 bis 2018 lief er für Hansa Rostock auf (90 Spiele, 26 Tore) und gewann dort dreimal den Landespokal Mecklenburg-Vorpommern (2014/15, 2015/16, 2016/17). Weitere Titel folgten zuvor mit dem SV Wehen Wiesbaden (Hessenpokal 2010/11) und dem 1. FC Kaiserslautern II (Südwestpokal 2007/08). Auch individuell wurde seine Qualität gewürdigt: In der Saison 2014/15 wurde er zum Spieler des Monats Februar in der 3. Liga gewählt und mehrfach als Spieler des Spieltags ausgezeichnet. Ein Einsatz für die deutsche U20-Nationalmannschaft (2005) komplettiert seine sportliche Vita.

Vor fünf Jahren sagte er in einem Interview: Ein langwieriger Kreuzbandriss und ein Knorpelschaden sorgten dafür, dass an Fußball nicht mehr zu denken war, weswegen er seine aktive Laufbahn bereits mit 33 beenden musste. Auf die Frage, ob er die Verletzung noch immer spüre, antwortete er: „Es vergeht kein Tag, an dem ich die Schmerzen nicht merke. Es tut noch immer genauso weh wie damals.“

Nach seinem verletzungsbedingten Karriereende schlug Ziemer den Weg ins Trainerwesen ein und arbeitet heute im Nachwuchsbereich.
In puncto „Körper reinstellen“ und „Schlitzohrigkeit“ wird der frühere Strafraumstürmer sicher dem ein oder anderen Jungspund etwas mitgeben können.
Wir haben mit ihm über seine Karriere, seine Zeit im Saarland und den Blick zurück gesprochen.

Screenshot

Kick&Kult: Wie geht es dir aktuell – sportlich, beruflich und privat?
Marcel Ziemer: Danke der Nachfrage, mir/uns geht es gut. Nach meiner schweren Verletzung in Rostock habe ich eine Umschulung gemacht zum Immobilienkaufmann und bin jetzt in der Wohnungsverwaltung tätig. Wenn man, wie ich, immer nur Fußball gespielt hat, ist der Weg ins normale Berufsleben nicht ganz so einfach. Ich habe mich aber daran gewöhnt und fühle mich wohl bei dem, was ich mache.
Sportlich ist auch alles gut. Ich trainiere eine U23 beim FC Förderkader René Schneider, da bin ich jetzt drei Jahre. Die Arbeit mit den Jungs macht mir riesigen Spaß.

Kick&Kult: Deine Zeit beim 1. FC Saarbrücken war eine der prägendsten Phasen deiner Karriere. Was hat diese Jahre im Saarland für dich sportlich und persönlich so besonders gemacht?Marcel Ziemer: Ich habe sehr gerne für Saarbrücken gespielt und muss auch gestehen: Dort habe ich das Toreschießen gelernt. Ich habe auch Dieter Ferner und Jürgen Luginger viel zu verdanken, die haben mir total vertraut, und das ist wichtig. Sie wollten mich nicht verändern und haben mich mit all meinen Macken so gelassen, wie ich bin. Wir hatten einen tollen Zusammenhalt und ich habe auch noch mit vielen Kontakt aus dem Team damals. Wir waren sehr verbunden. Auch die Fans – die waren toll. Sie gaben den besonderen Rückenwind.

Kick&Kult: 35 Tore in 82 Drittligaspielen für den FCS sprechen für sich. Was war dein Erfolgsrezept als Vollblutstürmer – Instinkt, Timing, harte Arbeit oder mentale Stärke?
Marcel Ziemer: Ich habe gerne für die Truppe gearbeitet, ich habe dann alles reingelegt. Das war mir wichtiger, als selbst im Vordergrund zu stehen. In der ersten Saison hatte ich, glaube ich, 11 Tore und 11 Vorlagen. Ich hatte einen ganz guten Instinkt und ein gutes Timing. Im Abschluss war ich auch ganz gut. Ich habe mich in der Box wohlgefühlt und durch das Vertrauen vom Verein hatte ich die nötige mentale Stärke. Ich stand oft richtig. Im zweiten Jahr machte ich dann 16 Tore. Sven Sökler und Stiefler, die beiden haben mir tolle Bälle aufgelegt. Als Stürmer musst du gucken, dass du dich im richtigen Moment bewegst und dich in den gefährlichen Räumen aufhältst.

Kick&Kult: Im Ludwigspark warst du schnell Publikumsliebling. Wie sehr pusht dich so eine Kulisse – und spürt man als Stürmer diesen besonderen Druck, liefern zu müssen?
Marcel Ziemer: Das war jedes Wochenende etwas Besonderes. Ich hatte mal einen Dreierpack gegen Halle gemacht und das ganze Stadion hat mich gefeiert. Das Video schaue ich mir heute noch an, das war sensationell. Das ist die Belohnung für den Druck, den du hast, wenn man sich dafür entscheidet, Profi sein zu wollen.

Kick&Kult: Wenn du speziell an deine Zeit im Saarland denkst: Was vermisst du heute am meisten?
Marcel Ziemer: Die Zeit mit dem Trainer und der Truppe war besonders. Ich war gerne da. Ich mag die Stadt. Ich habe den Verein richtig genossen.

Kick&Kult: Verfolgst du heute noch den 1. FC Saarbrücken oder den Fußball im Saarland allgemein?
Marcel Ziemer: Klar, Saarbrücken, Elversberg und Homburg – da guckt man schon, wie es da oder dort läuft. Beim FCS bin ich natürlich mit dem Herzen dabei und hoffe, dass sie früher oder später wieder höher spielen.

Kick&Kult: Wenn du an deine aktive Zeit insgesamt zurückdenkst: Welche Momente sind dir besonders positiv in Erinnerung geblieben?
Marcel Ziemer: Ein ganz besonderer Moment war natürlich mein erstes Bundesligaspiel, in dem ich auch direkt getroffen habe. Das vergisst man natürlich nicht. Die Last-Minute-Rettung mit Köln – dieser Nichtabstieg hat sich angefühlt wie eine Meisterschaft in dem Moment. Aber auch der Moment, als ich in Saarbrücken war, wie ich aufgenommen und unterstützt wurde. Ich hatte da gerade aufgrund der Trennung von meiner Frau eine schwere Phase. Wie alle im Verein für mich da waren, das war toll.
Aber auch die unschönen Dinge, wie zum Beispiel, als ich als Einziger für Rostock im DFB-Pokal gegen Kaiserslautern im Elfmeterschießen den Elfmeter verschieße, wir ausscheiden und die Fans mich nach dem Spiel trotzdem feiern – Wahnsinn.
Jede Station hat ihre besonderen Momente.

Kick&Kult: Und gibt es im Gegenzug Situationen oder Entscheidungen, die du im Nachhinein am liebsten ungeschehen machen würdest?
Marcel Ziemer: Hm … ich hatte Angebote, die ich im Nachhinein hätte anders betrachten sollen. Als ich in Kaiserslautern war, hatte ich ein Angebot von Gladbach. Hätte, wenn und aber – ich bin am Ende glücklich, wie es gelaufen ist. Ich kann in den Spiegel schauen und das ist gut so.

Kick&Kult: Würdest du rückblickend auf deine Karriere alles noch einmal genauso machen?

Kick&Kult: Was würde der heutige Marcel Ziemer dem 18-jährigen Marcel Ziemer raten?
Marcel Ziemer: Dass man in manchen Momenten mehr Geduld haben sollte. Ich wollte immer spielen. Ich war zum Beispiel beim 1. FCK die komplette Vorbereitung dabei, wollte aber sicher spielen und bin dann nach Wiesbaden gegangen. Heute glaube ich, dass ich eine realistische Chance gehabt hätte, zu spielen.
Am Ende ist Lautern aufgestiegen und wurde Meister, da hätte ich mich einreihen können.
Ich bereue aber nicht, nach Wiesbaden gegangen zu sein! Vielleicht sollte ich ihm noch raten, etwas fleißiger zu sein (Marcel lacht).

Kick&Kult: Hattest du in deiner Laufbahn ein Vorbild – vielleicht einen Stürmer, an dem du dich orientiert hast?
Marcel Ziemer: Thierry Henry und Ronaldo R9. Henry war ein sehr gradliniger Spieler mit gutem Zug zum Tor. Sein präziser Schuss und seine Moves haben mich beeindruckt.
R9 mochte damals jeder.

Kick&Kult: Aus Sicht eines Torjägers: Wer ist für dich der beste Stürmer aller Zeiten – oder kann man diese Frage gar nicht pauschal beantworten?
Marcel Ziemer: Messi oder Ronaldo, Gerd Müller oder Pelé – alle, die solch unfassbare Zahlen erreicht haben. Jeder zu seiner Zeit. Guckt man nur auf die Zahlen, ist es wohl Cristiano Ronaldo. Jedenfalls schwer zu beantworten.

Kick&Kult: Du hast Bundesliga-Luft geschnuppert, aber dich dort nicht dauerhaft etabliert. Warum gab es aus deiner Sicht nie den „Bundesligaspieler“ Marcel Ziemer über einen längeren Zeitraum?
Marcel Ziemer: Ich hatte ja Bundesligaeinsätze und sogar Tore. Wir sind damals mit Kaiserslautern abgestiegen und somit war der erste Profivertrag in der zweiten Liga. So unglücklich war ich da auch nicht.

Kick&Kult: Heute arbeitest du als Trainer der U23. Wie sehr beeinflusst deine eigene Karriere deine Arbeit – und was versuchst du jungen Stürmern ganz konkret mitzugeben?
Marcel Ziemer: Wir haben eine gute Jugendarbeit und die, die den Sprung nicht auf Anhieb schaffen, landen dann bei mir. Der Sprung in die Oberliga ist schon groß. Da bereiten wir die Jungs vor, wie man sich vorm Tor cleverer verhält, Situationen besser einschätzt und nicht so viele unnötige Wege geht, um in den entscheidenden Momenten die volle Kraft nutzen zu können. Das alles und vieles mehr.

Kick&Kult: Mit welcher Sportart – außer Fußball – kann man dich heute noch begeistern? Bist du selbst noch aktiv unterwegs?
Marcel Ziemer: Ich gucke gerne Dart und bin gerne überall dabei, wo es einen Ball gibt.

Kick&Kult: Und ganz aktuell: Was war der letzte Film, den du im Kino gesehen hast?
Marcel Ziemer: Das war Vaiana 3, mit meiner Tochter.

 

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