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Was macht eigentlich…

Manfred Bender

Kai SandBy Kai Sand18. August 2026Keine Kommentare9 Mins Read
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Das „schlampernde Genie“ zwischen Glanz und Kampfgeist

Er war keiner, der zurücksteckte. Manfred Bender war ein Spieler mit Haltung, einer klaren Meinung und einem ansteckenden Lachen. Immer gut gelaunt, für jeden Spaß zu haben – und doch jemand, der auch mal etwas Verrücktes machte. Zwischen Genie und Wahnsinn, zwischen Leichtigkeit und Leidenschaft: Bender war einer, der für seine Mannschaft durchs Feuer ging.

Als der damals 21-Jährige im Sommer 1989 vom Zweitligaaufsteiger SpVgg Unterhaching zum großen FC Bayern München wechselte, galt er als eines der spannendsten Talente im deutschen Fußball. Mit der bayerischen Landesauswahl hatte er kurz zuvor den Länderpokal gewonnen – der Sprung zum Rekordmeister war der verdiente Lohn.

In München traf er auf Stars wie Jürgen Kohler, Alan McInally oder Radmilo Mihajlović – und trotzdem setzte er sich durch. Schon in seiner ersten Saison kam er auf 20 Bundesligaeinsätze, erzielte zwei Tore und feierte am Ende seinen ersten Meistertitel. Sein Premierentor beim FC St. Pauli war typisch Bender: frech, technisch sauber, mit Zug zum Tor.

In der folgenden Spielzeit reifte er zum Stammspieler – 33 Einsätze, fünf Treffer und ein weiteres Highlight mit dem Gewinn des DFB-Supercups. Doch die Saison 1991/92 brachte Unruhe: Drei Trainer in einem Jahr, interne Spannungen, Platz zehn. Für Bender war klar, dass es Zeit für einen Neuanfang war. Er wechselte nach Karlsruhe – und im Gegenzug kam Mehmet Scholl zu den Bayern.

Trotz des frühen Abschieds bleibt seine Zeit in München unvergessen. Besonders sein erstes Europapokalspiel, das er von Beginn an machte, ist legendär: Halbfinale im San Siro gegen den großen AC Mailand – Van Basten und Maldini standen dem jungen Bender gegenüber. Und er machte ein überragendes Spiel im Trikot des FC Bayern München – ruhig am Ball, mutig im Zweikampf, technisch brillant. Ein Auftritt, über den man in München noch heute spricht. Bender war kein Ja-Sager, sondern einer, der auf dem Platz seinen eigenen Weg ging – und genau das machte ihn so besonders.

Nach erfolgreichen Jahren in Karlsruhe, wo er beim legendären Wunder vom Wildpark am 2. November 1993 gegen den FC Valencia glänzte – jenem 7:0, über das man bis heute spricht –, führte ihn sein Weg im Jahr 2000 zum 1. FC Saarbrücken. Schon ein Jahr zuvor, am 1. November 1992, hatte er mit dem KSC beim 4:1-Sieg gegen Eintracht Frankfurt zwei Tore erzielt – Spiele, die bis heute mit seinem Namen verbunden bleiben.

In Saarbrücken war Bender dann nicht mehr der junge Wilde, sondern der erfahrene Stratege, der Verantwortung übernahm und seine Mitspieler antrieb. In 35 Zweitligapartien erzielte er fünf Tore und wurde schnell zum Führungsspieler. Wenn’s eng wurde, war er da – laut, präsent und mit dieser typischen Mischung aus Lockerheit und Leidenschaft, die ihn immer ausgezeichnet hatte.

Bender war beim FCS mehr als nur ein Spieler: Er war einer, der voranging, der mit Emotion und Witz eine Mannschaft zusammenhielt.

Nach seiner aktiven Karriere blieb Bender dem Fußball treu – als Trainer, Co-Trainer und Manager. Er arbeitete in Österreich, bei Kickers Offenbach, in Nigeria und zuletzt in verschiedenen Funktionen in Bayern.

Was ihn immer auszeichnete, war seine Art, Menschen mitzunehmen – ehrlich, humorvoll, mit klarer Kante. Manfred Bender war nie der Lauteste, aber immer einer, den man spürte. Einer, der Fußball nicht nur spielte, sondern lebte.

Datum: 12.11.2000 Copyright: imago/Team 2

Manfred Bender (1.FC Saarbrücken) am Ball, Saison 2000/2001: Ahlen – 1. FC Saarbrücken 2:0 Ahlen Wersestadion Fußball 2. BL Herren

Kick & Kult: Wie kam es damals zu deinem Wechsel nach Saarbrücken – was hat dich am FCS gereizt?

 

  1. Bender: Klaus Toppmöller hat mich in der Winterpause angerufen. Er war sehr hartnäckig – und am Ende hat er mich überzeugt, zum FCS zu wechseln.

 

Kick & Kult: In Saarbrücken warst du einer der Führungsspieler. Wie hast du diese Rolle in einer jungen, hungrigen Mannschaft erlebt?

 

  1. Bender: Damals hatte ich schon über 300 Pflichtspiele in der Bundesliga absolviert und stand dreimal in einem internationalen Halbfinale.

 

Trotzdem wollte ich im Training immer meine Spiele gewinnen – dieser Ehrgeiz war einfach in mir drin.

 

Ich glaube, das hat sich ein Stück weit auf die Mannschaft übertragen. Es war einfach ein Puzzlestück, das perfekt gepasst hat.

 

Kick & Kult: Wie hast du deine Zeit, die Menschen und die Fußballkultur im Saarland erlebt? Gab es etwas, das dich besonders überrascht oder beeindruckt hat?

 

  1. Bender: Als echter Münchner war es am Anfang im Saarland nicht ganz einfach für mich.

 

Die Saarländer sind – ähnlich wie die Bayern – ein eigener Schlag.

 

Aber aufgrund meiner sportlichen Leistungen war dann alles relativ schnell in Ordnung.

 

Kick & Kult: Man hat dich damals als echten Antreiber erlebt. Was hat dich in dieser Phase deiner Karriere besonders motiviert?

 

  1. Bender: Dieses „Gewinner-Gen“, das ich habe – und das ich bis heute nicht losgeworden bin. Das treibt mich immer noch an.

 

Kick & Kult: Peter Neururer hat in der letzten Ausgabe über die schönen, aber auch chaotischen Seiten des FCS gesprochen. Hast du das ähnlich erlebt?

 

  1. Bender: Ja, natürlich.

 

Wir sind damals in die 2. Liga aufgestiegen und hätten fast den Durchmarsch in die Bundesliga geschafft. Die Mannschaft hat super zusammengepasst.

 

Dann ging Toppmöller nach Leverkusen, Thomas von Heesen kam – und holte 15 neue Spieler. Für mich völlig unverständlich, wie man eine so intakte Mannschaft auseinanderreißen konnte.

 

Kick & Kult: Verfolgst du den saarländischen Fußball heute noch?

 

  1. Bender: Ja, natürlich – der 1. FC Saarbrücken interessiert mich immer noch.

 

Ich hatte dort eine gute Zeit.

 

Kick & Kult: Du kamst als junger Spieler zu einem Star-Ensemble beim FC Bayern. Wie schwer war es, dich dort durchzusetzen?

 

  1. Bender: Ich bin von Unterhaching zum FC Bayern gekommen. Damals gab es noch eine klare Hierarchie – ich sage immer: Sogar der Platzwart stand am Anfang über mir! ߘ⊊Aber mein Ehrgeiz und dieser ständige Wille zu gewinnen haben mir geholfen, mich beim FC Bayern durchzusetzen.

 

Kick & Kult: Was hast du aus deiner Zeit in München mitgenommen – als Spieler, aber auch als Mensch oder Trainer?

 

  1. Bender: Wenn man drei Jahre beim besten Verein Deutschlands spielt, nimmt man sehr viel mit.

 

Von den Besten kann man am meisten lernen – und bei Bayern sind (meistens) die Besten.

 

Kick & Kult: Wenn du heute zurückblickst: Waren die Bayern-Jahre für dich eher Sprungbrett oder Bewährungsprobe?

 

  1. Bender: Definitiv ein Sprungbrett.

 

Millionen Fußballer würden alles dafür geben, einmal beim FC Bayern zu spielen – und ich hatte als gebürtiger Münchner diese Chance.

 

Darauf bin ich sehr stolz.

 

Kick & Kult: Wie verdienst du heute deine Brötchen – was machst du aktuell beruflich?

 

  1. Bender: Im Laufe der Jahre habe ich mir ein großes Netzwerk aufgebaut. Ich bin als Markenbotschafter viel unterwegs und veranstalte einmal im Jahr das „Legenden Masters“ – das wohl beste Golfturnier überhaupt.

 

Das Turnier geht über drei Tage. Rund 80 ehemalige Fußballer spielen im Matchplay-Format gegeneinander:

 

Bayern – 1860, Köln – Gladbach, KSC – VfB Stuttgart, Schalke – BVB.

 

Dabei sind Leute wie Bernd Schuster, Andi Möller, Klaus Fischer, Balakov, Gaudino, Horst Heldt, Benny Lauth, Uli Borowka, Claudio Pizarro, Michael Tarnat, Raimond Aumann und viele mehr – zusammen kommen wir auf rund 20.000 Bundesligaspiele!

 

Kick & Kult: Der Fußball hat sich enorm verändert – Ablösesummen und Gehälter sind heute astronomisch. Ist das noch dein Fußball?

 

  1. Bender: Ich bin da eher pragmatisch: Es ist, wie es ist – also bleibe ich entspannt.

 

Kick & Kult: Wenn du auf deine Karriere zurückblickst: Welche Momente sorgen heute noch für Gänsehaut – und was würdest du am liebsten ungeschehen machen?

 

  1. Bender: Definitiv Gänsehaut: das Halbfinale mit Bayern im San Siro gegen den AC Mailand – und ein Jahr später das Halbfinale in Belgrad.

 

Mit dem KSC das legendäre 7:0 gegen Valencia – und natürlich das Heimspiel mit dem FCS beim Aufstieg in die 2. Liga (ich glaube, es war gegen Elversberg).

 

Alles, was ich lieber ungeschehen machen würde, habe ich verdrängt. (lacht)

 

Kick & Kult: Warum hat es eigentlich nie den Bundesliga-Trainer Manfred Bender gegeben? Lag es an den Umständen – oder fehlte dir selbst der Drang nach oben?

 

  1. Bender: Ich war lange Trainer in Österreich – in der 1., 2. und 3. Liga. Leider hat es sich einfach nicht ergeben, Bundesliga-Trainer zu werden.

 

Kick & Kult: Hast du heute noch Kontakt zu ehemaligen Mitspielern aus deiner Karriere?

 

  1. Bender: Ja, durch das Golfturnier habe ich mit sehr vielen Ex-Spielern noch regelmäßig Kontakt.

 

Kick & Kult: Welches Buch sollte man deiner Meinung nach unbedingt gelesen haben – egal ob Fußball oder etwas ganz anderes?

 

  1. Bender: Ich bin keine große Leseratte. Nur im Urlaub lese ich – meistens Spionagethriller.

 

Mein absolutes Lieblingsbuch ist „Der Matarese-Bund“ von Robert Ludlum.

 

Kick & Kult: Wer war dein unangenehmster Gegenspieler – der, gegen den du gar nicht gerne gespielt hast?

 

  1. Bender: Uwe Scherr – der war genauso schnell wie ich!

 

Und in der eigenen Mannschaft? Ganz klar: Jürgen Kohler.

 

Kick & Kult: Und wer war der beste Mitspieler, mit dem du je zusammengespielt hast?

 

  1. Bender: Brian Laudrup – er war ein unglaublicher Fußballer.

 

Kick & Kult: Was würde der Manfred Bender von heute dem 18-jährigen Bender von damals raten?

 

  1. Bender: Mach alles genauso – sei nur ein bisschen diplomatischer.

 

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