Zwischen Pfosten, Tiefschlägen und Neuanfang
184 Zentimeter groß, in Dudweiler geboren und im saarländischen Fußball verwurzelt – Marc Birkenbach hat zwischen den Pfosten nahezu jede Facette des Geschäfts erlebt. Seine Laufbahn begann beim 1. FC Saarbrücken, wo er sich über die zweite Mannschaft bis in die Regionalliga spielte. Es folgten Stationen bei den Sportfreunden Siegen und beim SV Wehen Wiesbaden, für den er in der 3. Liga auflief und im DFB-Pokal gegen den VfL Wolfsburg im Tor stand.

Auf dem Platz war Birkenbach ein starker Rückhalt für seine Mannschaften – reaktionsschnell auf der Linie, kompromisslos im Strafraum und stets bereit, an seine Grenzen zu gehen. Er schonte weder Gegner noch sich selbst und verkörperte genau jene Mentalität, die ein Team in Drucksituationen braucht.
Auch Rückschläge gehörten zu seiner Karriere: Ein Bandscheibenvorfall während seiner Zeit bei der SV Elversberg stellte ihn vor eine große persönliche Herausforderung. Doch Birkenbach kämpfte sich zurück und fand beim SV Saar 05 Saarbrücken seine sportliche Heimat. Zudem absolvierte er jeweils ein Spiel für die deutsche U19- und U20-Nationalmannschaft.
Heute gibt der ehemalige Torhüter seine Erfahrung in einer eigenen Fußballschule an den Nachwuchs weiter – mit klarem Fokus auf Technik, Mentalität und Leidenschaft für das Spiel. Im Interview spricht Marc Birkenbach über prägende Momente, schwierige Phasen und seinen Blick auf den Fußball von heute.

„Entweder 100 Prozent – oder gar nicht“
Kick & Kult: Hallo Marc, wie geht es dir?
Marc Birkenbach: Hallo Torsten, mir geht es sehr gut. Vielen Dank für die Nachfrage.
Kick & Kult: Wie gestaltet sich zurzeit dein Alltag?
Marc Birkenbach: Zurzeit arbeite ich halbtags als Disponent. Den restlichen Tag widme ich meiner Torwartschule „MB GOALKEEPING“. Dazu gehören die Trainingsplanung, meine Präsenz in den sozialen Medien sowie Gespräche mit potenziellen Kooperationspartnern.
Zusätzlich leite ich meinen eigenen Online-Shop für Streetwear und Sportswear. Außerdem bin ich inzwischen im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) in Saarbrücken tätig. Mein Alltag ist dadurch sehr abwechslungsreich und sportlich weiterhin intensiv geprägt.
Kick & Kult: Du hast deine Karriere mit 32 Jahren beendet. Für einen Torhüter relativ früh – warum dieser Schritt?
Marc Birkenbach: Ich würde nicht grundsätzlich sagen, dass 32 früh ist, aber für einen Torhüter natürlich kein spätes Alter. Ich habe gemerkt, dass meine Motivation nicht mehr bei 100 Prozent lag und ich mich zunehmend im Bereich des Torwarttrainings gesehen habe. Für mich gilt: Entweder ich mache etwas mit voller Überzeugung – oder gar nicht. Deshalb habe ich bewusst entschieden, meine aktive Karriere zu beenden.
Kick & Kult: Du hast Regionalliga, 3. Liga und den DFB-Pokal erlebt. Welcher Moment ist dir bis heute am stärksten in Erinnerung geblieben?
Marc Birkenbach: Am meisten in Erinnerung geblieben sind mir mein Profidebüt als Nummer 1 für den 1. FC Saarbrücken gegen Hoffenheim sowie das DFB-Pokalspiel gegen den VfL Wolfsburg, damals amtierender Deutscher Meister.
Ich habe lange darauf hingearbeitet, als Nummer 1 zwischen den Pfosten zu stehen. Der Weg war geprägt von Höhen, aber vor allem von Tiefen. Umso schöner war es, diesen Moment schließlich erleben zu dürfen.
Gegen Wolfsburg war es natürlich etwas Besonderes. Sie waren amtierender Deutscher Meister und spielten mit Topstars wie Džeko und Grafite. Sich mit solchen Spielern im selben Wettbewerb messen zu dürfen, war ein außergewöhnliches Erlebnis.
Kick & Kult: Gibt es weitere Highlights aus deiner aktiven Zeit?
Marc Birkenbach: Ja, mehrere. Mein erstes Länderspiel in der U19, das Spiel mit Saarbrücken gegen Bayern München oder die Meisterschaften mit Saar 05 – das waren alles großartige Erlebnisse.
Kick & Kult: Du hast für die U19- und U20-Nationalmannschaft gespielt. Wie groß war damals der Schritt in den Herrenbereich?
Marc Birkenbach: Der Schritt war enorm, weil der Erwachsenenbereich eine komplett andere Welt ist. Es gibt klare Hierarchien, und als junger Spieler steht man ganz unten. Das heißt: Bälle tragen, Tore schleppen, auch mal den Mund halten und weiterarbeiten.
Für meine spätere Karriere war diese Phase sehr prägend.
Kick & Kult: Hattest du ein Vorbild?
Marc Birkenbach: Oliver Kahn.
Kick & Kult: Wenn du eine Weltauswahl trainieren dürftest – wer wären deine Torhüter Nummer 1, 2 und 3?
Marc Birkenbach: Ter Stegen, Neuer und Alisson.
Kick & Kult: Auf dem Platz galtst du als kompromissloser Keeper. Wie wichtig ist Mentalität auf deiner Position?
Marc Birkenbach: Jeder Torhüter sollte seine eigene Mentalität entwickeln – eine, die zu ihm passt. Ich bin mit Vorbildern wie Oliver Kahn oder Tim Wiese aufgewachsen, da schaut man sich natürlich etwas ab.
Da ich nicht der größte Keeper war, musste ich mich zusätzlich durchsetzen. Ich habe sogar jedes Gegentor als persönliche Beleidigung empfunden – und das war keine Floskel.
Kick & Kult: Max Merkel sagte einmal, Torhüter hätten immer gewisse Macken. Welche hattest du?
Marc Birkenbach: (lacht) Das müssten eher meine Mitspieler beantworten. Ich war auf dem Platz sehr verbissen und habe meine Emotionen deutlich gezeigt.
Kick & Kult: War der Bandscheibenvorfall in Elversberg ein Wendepunkt?
Marc Birkenbach: Die Verletzung selbst war für mich kein harter Einschnitt – Verletzungen gehören dazu. Der eigentliche Tiefpunkt kam, als mein Vertrag nicht verlängert wurde. Ich hatte Elversberg als Sprungbrett nach oben gesehen. Das hat nicht funktioniert, und ich bin in ein Loch gefallen.
Der Wechsel zu Saar 05 war im Nachhinein die beste Entscheidung.
Kick & Kult: Gibt es ein Erlebnis, das du am liebsten ungeschehen machen würdest?
Marc Birkenbach: Der Abstieg mit dem 1. FC Saarbrücken. Das nagt bis heute an mir.
Kick & Kult: Warum hat es aus deiner Sicht nicht ganz für den großen Durchbruch gereicht?
Marc Birkenbach: Zur falschen Zeit die falschen Entscheidungen getroffen – und im Nachhinein hätte ich noch mehr investieren müssen.
Kick & Kult: Gehört Glück dazu?
Marc Birkenbach: Definitiv. Es muss vieles zusammenpassen: Leistung im richtigen Moment, Verletzungsfreiheit, der passende Trainer. Am Ende musst du alles geben, verzichten und hart arbeiten. Wichtig ist, dass man sich selbst sagen kann: Ich habe alles versucht.
Kick & Kult: Worauf legst du in deiner Torwartschule besonderen Wert?
Marc Birkenbach: Spaß und Vertrauen stehen an erster Stelle. Technisch geht es um saubere Grundlagen, taktisch um Stellungsspiel und spielnahe Situationen.
Mental hängt vieles vom Ziel des Spielers ab. Wer Profi werden will, muss Fußball leben – auch außerhalb des Trainings. Ich versuche, eine echte Gewinnermentalität zu vermitteln.
Kick & Kult: Schaust du heute viel Fußball im TV?
Marc Birkenbach: Nicht besonders viel. Aber das Champions-League-Finale oder EM- und WM-Spiele schaue ich natürlich.
Kick & Kult: Welches Buch sollte man gelesen haben – und welcher war dein letzter Kinofilm?
Marc Birkenbach: Ich bin keine große Leseratte, höre aber gerne Hörbücher – vor allem spannende Krimis.
Mein letzter Kinobesuch ist so lange her, dass ich nicht einmal mehr weiß, welcher Film es war. Den neuen Eberhofer-Film würde ich mir aber definitiv anschauen.
