Fischbach. Vincenzo Simonetta zählt zu den prägenden Trainerpersönlichkeiten im saarländischen Amateurfußball. In den vergangenen zehn Jahren stand er in rund 300 Pflichtspielen an der Seitenlinie. Doch auch als aktiver Fußballer war Simonetta über viele Jahre selbst auf dem Platz und absolvierte rund 600 Pflichtspiele. Er kennt den Fußball damit aus beiden Perspektiven – als Spieler und als Trainer. Simonetta steht für eine klare Spielidee, Gradlinigkeit sowie eine offene und ehrliche Art, die ihn bei Spielern und Verantwortlichen gleichermaßen geschätzt macht. Er ist ein Trainer, der zuhört, Nähe zulässt und dennoch klare Ansagen macht – auf und neben dem Platz. Aktuell ist Simonetta beim SV Fischbach tätig und führt sein Team in der Bezirksliga Saarbrücken auf Rang zwei – nur einen Punkt hinter Saar 05 und mit einem Spiel weniger auf dem Konto.
Interview
Frage 1: Ihr habt eine überragende Hinrunde gespielt. Wie fällt dein persönliches Fazit dazu aus?
Hallo Torsten, nach dem bitteren Abstieg im Sommer war der Mannschaft, dem Verein und mir klar, dass wir in der neuen Runde unter den Top 5 mitspielen wollen. Der Abstieg war sehr schmerzhaft, da in der Vergangenheit oft 17 oder 18 Punkte gereicht haben, um die Klasse zu halten – und wir am letzten Spieltag trotz 33 Punkten abgestiegen sind. Das ist natürlich ein Schlag ins Gesicht, und man weiß zu Beginn einer neuen Saison nicht, wie eine Mannschaft darauf reagiert. Nachdem mein Bruder im Sommer bekannt gegeben hatte, nach sechs hervorragenden Jahren als Trainer aufzuhören, und ich selbst meine Tätigkeit in Quierschied beendet hatte, kam der SV Fischbach auf mich zu und fragte mich, ob ich diese Aufgabe übernehmen würde. Ich musste nicht lange überlegen, da ich das Umfeld und die Mannschaft sehr gut kenne und vor zwei Jahren selbst noch als Spieler mit ihnen aufgestiegen bin. Zu Beginn der Runde haben wir uns mit einigen Spielern verstärkt und zudem Akteure aus der zweiten Mannschaft in den Kader der Ersten befördert. Anfangs konnten wir mit einem guten und breiten Kader arbeiten, was sich auch in den überzeugenden Ergebnissen der ersten Spiele widerspiegelte. Doch dann kam es, wie es im Fußball oft kommt: Wir hatten viele Ausfälle – zeitweise zwischen zwölf und vierzehn Spieler. Hier muss ich meiner Mannschaft ein großes Kompliment machen. Obwohl wir Sonntag für Sonntag mit einer anderen Aufstellung antreten mussten, hat jeder auf dem Platz sein Bestes gegeben. Mein Fazit lautet daher: Trotz des bitteren Abstiegs und der vielen Verletzungen stehen wir verdient oben mit dabei. Gleichzeitig sind wir froh, dass die Winterpause gekommen ist, um in der Rückrunde wieder auf einen volleren Kader zurückgreifen zu können.
Frage 2: Was erwartest du von der Rückrunde? Plant ihr personelle Verstärkungen oder geht ihr mit dem aktuellen Kader in die zweite Saisonhälfte?
Ein Blick auf die Tabelle zeigt, dass uns eine sehr enge Rückrunde erwartet, in der mehrere Teams um die ersten beiden Plätze kämpfen werden. Ausruhen darf sich niemand. Wir versuchen daher, abhängig von den Witterungsbedingungen, eine gute Wintervorbereitung zu absolvieren, um optimal in die Rückrunde zu starten. Zumal direkt das Spitzenspiel gegen Saar 05 II ansteht. In der Winterpause haben wir uns bereits mit zwei Spielern verstärkt: Stefan Haarig vom FV Bischmisheim sowie Fabian Schwach von Viktoria Hühnerfeld, beide Innenverteidiger. Beide werden ab der Rückrunde fest zum Kader gehören. Zudem befinden wir uns aktuell noch mit zwei weiteren Spielern in Gesprächen.
Frage 3: Wie sieht eure Vorbereitung auf die Rückrunde aus? Welche Rolle spielt das Hallenprogramm und an welchen Turnieren nehmt ihr teil?
Unsere offizielle Vorbereitung beginnt am 25. Januar 2026. Ab dem 5. Januar werden wir uns – sofern das Wetter es zulässt – einmal pro Woche treffen, um ein wenig zu kicken und in Bewegung zu bleiben. Die Hallenrunde spielt für uns keine große Rolle, dennoch haben wir drei Turnieren zugesagt, bei denen wir antreten werden. Dabei treten wir mit einer Mischung aus erster und zweiter Mannschaft an. Am Turnier in Hangard haben wir bereits teilgenommen, außerdem werden wir noch in Bildstock und Schiffweiler am Start sein.
Frage 4: Die Mannschaft wirkt sehr gefestigt und behält auch in schwierigen Phasen die Ruhe. Was macht aus deiner Sicht die Stärke des Teams aus?
Ich bin selbst manchmal überrascht, wie ruhig wir auch in kritischen Phasen bleiben und immer wieder zu unserem Spiel finden. Der große Vorteil dieser Mannschaft ist, dass viele Spieler seit Jahren zusammenspielen, sich in- und auswendig kennen und vieles über Teamgeist lösen. Wir haben gezielt an unserer Defensive gearbeitet, kassieren weniger Gegentore und wissen, dass wir gut verteidigen können. Gleichzeitig sind wir offensiv jederzeit für ein Tor gut. Hinzu kommen einige sehr starke individuelle Spieler für diese Klasse, die Spiele auch alleine entscheiden können. Ein weiterer wichtiger Punkt ist unsere taktische Flexibilität. Die Mannschaft setzt das, was wir besprechen, auf dem Platz sehr gut um.
Frage 5: Du hast selbst viele Jahre gespielt. Zuckt manchmal noch das Füßchen an der Seitenlinie?
Natürlich zuckt es noch – alles andere wäre gelogen. Aber man muss irgendwann einsehen, dass der Körper, insbesondere meine Knie, nicht mehr alles mitmacht. Ich spiele so oft es geht in der zweiten Mannschaft vor unserem Spiel, um mich fit zu halten. Außerdem mache ich im Training beim Abschlussspiel mit, wenn ein Mann fehlt.
Frage 6: Was würde der Spieler Vincenzo Simonetta über den Trainer Simonetta sagen – und wer hätte im Zweifel das letzte Wort?
Schwere Frage. Ich denke, er würde sagen: ein offener, ehrlicher Typ, der voll hinter seiner Mannschaft steht und immer versucht, das Beste für sein Team herauszuholen. Einer, der für jeden ein offenes Ohr hat – auch außerhalb des Fußballs. Abseits des Platzes ein Freund, aber sobald ich den Rasen oder die Kabine betrete, zählt nur noch der Fußball. Kurz gesagt: Freund neben dem Platz, Trainer auf dem Platz. Und das letzte Wort hat immer der Trainer.
Frage 7: Wie würdest du dich als Trainer beschreiben und worauf legst du den größten Fokus in deiner Arbeit?
Ehrlichkeit ist für mich die Basis von allem – sowohl von meiner Seite als auch von Spielerseite. Mir ist es wichtig, Spielern unabhängig vom Alter immer etwas mitzugeben, damit sie sich weiterentwickeln können, sei es taktisch oder technisch.Ich arbeite sehr gerne mit jungen Spielern, nehme mir aber genauso Zeit für erfahrene Akteure. Gespräche, Feedback und persönliche Entwicklung gehören für mich einfach dazu. Mein Wissen und meine Erfahrungen versuche ich bestmöglich weiterzugeben. Im Training lege ich großen Wert auf Grundlagen, Intensität und Spaß. Zudem bereiten wir uns sehr gezielt auf unsere Gegner vor. Ich schaue mir viele Spiele an, um eine fundierte Basis für unsere Spielvorbereitung zu haben.
















