Wenn es an einem Mittwochabend heißt Tabellenführer gegen Tabellenführer, kann das eigentlich nur eines bedeuten: Es ist wieder Sparkassenpokal angesagt.
Und man konnte an diesem Abend durchaus von einem kleinen Derby sprechen. Nur wenige Minuten Autofahrt trennen die beiden Sportplätze des SV Kirkel und des SV Rohrbach. Entsprechend interessant war die Ausgangslage: Der Tabellenführer der Bezirksliga empfing den Tabellenführer der Landesliga und die zahlreich erschienenen Zuschauer sollten ihr Kommen nicht bereuen.

Sie sahen ein spannendes Pokalspiel, in dem es trotz aller Intensität sehr fair zuging. Beide Mannschaften begegneten sich mit dem nötigen Respekt, schenkten sich sportlich aber nichts. Der klassenhöhere SV Rohrbach hatte über weite Strecken mehr vom Spiel und insgesamt den besseren Zug zum Tor. Kirkel stand defensiv gut, machte die Räume eng und konnte punktuell immer wieder gefährlich nach vorne agieren.
Gerade einmal 60 Sekunden waren gespielt, da gab es bereits auf beiden Seiten die ersten großen Möglichkeiten. Zunächst hatte der SV Rohrbach die Chance zur frühen Führung, konnte diese jedoch nicht nutzen. Praktisch im direkten Gegenzug wurde es auch vor dem Rohrbacher Tor gefährlich doch die SVR-Defensive konnte gerade noch in höchster Not klären.
Damit war früh klar, dass sich der Bezirksligist an diesem Abend keineswegs verstecken wollte. Rohrbach versuchte immer wieder, Druck aufzubauen und sich Möglichkeiten zu erspielen, während die Gastgeber konzentriert verteidigten und auf ihre Gelegenheiten nach vorne lauerten.

Mitte der ersten Halbzeit hatte Kirkel dann mächtig Glück. Eine scharf hereingegebene Flanke verpasste Freund und Feind und klatschte schließlich an den Torpfosten. Doch auch auf der anderen Seite war das Glück mit im Spiel: Nach einem Foul an Norman Schmitt blieb der eigentlich fällige Elfmeterpfiff aus.
Einer spielte sich an diesem Abend ganz besonders in den Mittelpunkt: Elias Guckert im Tor des SV Kirkel. Über die gesamte Partie hinweg ließ er die Rohrbacher Offensivabteilung mehr als einmal staunen. Mit zahlreichen Glanzparaden vereitelte er beste Möglichkeiten des Landesligisten und hatte einen ganz entscheidenden Anteil daran, dass die Null bis weit in die Schlussphase hinein Bestand hatte.
In der zweiten Halbzeit, bot sich das gleiche Bild. Rohrbach mit der besseren Spielanlage, Kirkel mit einem Wahnsinns Fight.

Und dann wurde es richtig turbulent.
Bis zur 89. Minute mussten die Zuschauer auf den ersten Treffer warten. Dann fasste sich Kevin Wunn ein Herz und erzielte nach einer starken Einzelaktion das viel umjubelte 0:1 für die Gäste aus Rohrbach.
Doch wer nun dachte, die Partie sei entschieden, sollte sich gewaltig täuschen. Quasi im Gegenzug schlug Kirkel zurück. Top-Torjäger Norman Schmitt sorgte mit dem 1:1 für großen Jubel bei den Gastgebern. Alles deutete nun darauf hin, dass dieser Pokalabend in die Verlängerung gehen würde.

Doch der SV Rohrbach hatte noch eine allerletzte Antwort.
In der 95. Minute, praktisch mit dem Schlusspfiff, nutzte Nico Offermanns die letzte Chance des Spiels und traf zum 1:2 für den SV Rohrbach. Danach brachen bei den Gästen alle Dämme. Kaum jemanden, der es mit den Rohrbachern hielt, hielt es noch auf seinem Platz. Spieler, Verantwortliche und Anhänger feierten gemeinsam einen Pokalsieg, der dramatischer kaum hätte zustande kommen können.
Kurz darauf war Schluss – und hinter beiden Mannschaften lag eine intensive, spannende und zugleich sehr faire Partie.

Der SV Rohrbach zieht aufgrund der größeren Spielanteile und des besseren Zuges zum Tor verdient in die nächste Runde des Sparkassenpokals ein. Doch auch der SV Kirkel durfte den Platz erhobenen Hauptes verlassen. Der Bezirksligist lieferte dem klassenhöheren Gegner einen tollen Pokalfight und holte sich nach dem Schlusspfiff völlig zu Recht den Beifall von beiden Seiten ab.
Ein Derby und Pokalabend, wie man ihn sich wünscht, spannend, fair, emotional und mit einer Schlussphase, die wohl so schnell keiner der Anwesenden vergessen wird.
